June 2013
9 posts
Großer Lesesaal der Universität Wien - Der Humanist - 1., Dr.-Karl-Lueger Ring 1
Mo–Fr 9–21.45,
Sa 9–18 Uhr
Gründerzeitlicher Prunk, imposante Galerie, 1884 im Ringstraßenstil errichtet. Er ist der König der Lesesäle. Man könnte sich fast in Harvard oder Princeton wähnen – aber die überfüllten Bankreihen und die stickige Luft holen einen dann doch nach Wien zurück: „Wenn 500 Menschen auf klappernden Stühlen sitzen und jeder zweite seine Schreiber fallen lässt, entsteht mitunter ein Lärmpegel“, schreibt ein Student im Uni-Forum. Was einmal repräsentativ war, schafft heute manch praktischen Nachteil. Die Raumhöhe führt zur Akustik einer Konzerthalle – das monotone Knarren der alten Sessel, das Klappern der Tastaturen und das selbstvergessene Gemurmel der Lernenden kann daher je nach Anlage beruhigend oder nervtötend wirken. Immerhin: W-Lan steht für Hauptuni-Studenten zur Verfügung, der Saal ist öffentlich zugänglich.
Zeitschriftensaal der Universität Wien - Der Beamte - 1., Dr.-Karl-Lueger Ring 1
Mo–Fr 9–19 Uhr
Der kleine Bruder des großen Lesesaals liegt einen Stock tiefer, glänzt im schönsten Arbeiterkammer-Barock und lockt eine immergleiche Stammkundschaft an, die größtenteils aus sympathisch verschrobenen älteren Menschen besteht. Die Zeit scheint hier im Jahr 1972 stehengeblieben zu sein. Im Gegensatz zum großen Saal studiert man an einzeln stehenden Schreibtischen – die Atmosphäre ist dementsprechend weniger beengt, auch die Akustik ist besser. Entlang der Wände liegen Ausgaben von Foreign Affairs bis Falter: schlimme Feinde jedes konsequenten Lerners. Öffentlich zugänglich, keine Klimaanlage, W-Lan für Uni-Wien-Studenten.
Lesesaal der Wienbibliothek im Rathaus - Der Ruhige - 1., Rathaus
Mo–Do 9–18.30,
Fr 9–16.30 Uhr
Ein Geheimtipp: Versteckt in den zahllosen Gängen des Wiener Rathauses liegt die Wienbibliothek mit prachtvollem neugotischem Lesesaal. Er ist modern ausgestattet und nicht sonderlich gut besucht. Allerdings: extrem stickiges Raumklima, kein W-Lan. Öffentlich zugänglich.
Lesesaal des Afro-Asiatischen Instituts - Der Alt-Hippie - 9., Türkenstraße 3
Mo–Fr 9–21.45,
Sa–So 10–21.45 Uhr
Wem früher der Hauptlesesaal zu imperial, das AKH zu steril und die Studenten allgemein zu bieder waren, der ging ins AAI. Dort lagen neben den Unterlagen Glücksbringer vom Titicaca-See und zwischen der Einführung in die Entwicklungszusammenarbeit und den Grundlagen der Nachhaltigkeit konnte sich schon mal der Duft eines gerade ausgepackten Kebabs im ganzen Raum verbreiten. Doch auch das AAI ist brav geworden: Vom Hippiehaften ist nur eine Mensa mit exotischer Kost, Kaffeehaus und sonnigem Innenhof geblieben. Der Lesesaal selbst ist heute wie alle anderen, nur schlichter: etwas zu klein geraten, stickig, kein W-Lan. Öffentlich zugänglich.
Lesesaal der Nationalbibliothek - Der Nüchterne - 1., Heldenplatz, Mitteltor
Mo–Fr 9–16,
Sa 9–12.45 Uhr
Dieser Saal hat fast alles, was ein moderner Lesesaal haben sollte: eine (nicht immer ideal eingestellte) Klimaanlage, W-Lan, viel Platz, ergonomisch ansprechende Möblierung. Keine eingeschränkte Praktikabilität durch Gründerzeitpomp, kein Ethnoflair à la AAI, keine Zeitschriften mit Ablenkpotenzial. Schnörkellos, weiß, makellos, für den wahren Lerner. Dass er eine Alternative zur Infrastruktur der Hauptuni ist, hat sich allerdings schon herumgesprochen – dementsprechend drängen sich die Studierenden in der Nationalbibliothek. Benutzer brauchen einen Jahresausweis (EUR 10,–).
WU-Lernzonen - Der Unkonzentrierte - 9., Augasse 2–6
tgl., 6–22 Uhr
Verteilt über alle Gebäude stellt die Wirtschaftsuniversität ihren Studierenden sogenannte „Lernzonen“ zur Verfügung. In ihnen geht es lockerer und lauter zu als in klassischen Lesesälen. Es darf telefoniert werden, Getränke- und Kaffeeautomaten liegen in Reichweite. Ein Paradies für den flatterhaften Nebenbeilerner – selbst wenn die Zonen aussehen wie die Klassenzimmer einer Hauptschule. Ihre „Unique Selling Proposition“: In einigen von ihnen darf geraucht werden. Klimaanlage, W-Lan für WU-Studenten, selten überfüllt, öffentlich zugänglich.
AKH-Lesesaal - Der Versteckte - 9., Währinger Gürtel 18–20
Mo – Fr 8-20 Uhr
Sa 9-17 Uhr
Der Weg über etliche Ebenen und vielfarbige Aufzugstränge des AKH zahlt sich aus. Die Lernnischen der krankenhauseigenen Zentralbibliothek verstecken sich hinter breiten Bücherwänden, Trennwände an jedem Tisch stellen ein hohes Maß an Konzentration und Ungestörtheit sicher. Gut temperiert ist der Saal außerdem. W-Lan für alle (Nicht-Med-Uni-Studenten bekommen einen Gastzugang), öffentlich zugänglich.
vs. Der große Lesesaal Ebene 5C (Lesesaal mit 230 Plätzen)
Mo–Fr 9–24,
Sa, So, Feiertag 9–23 Uhr
mo-sa bekomm ich jeden tag einen platz auch noch kurz vor neun, aber heute war ich zb um halb9 dort und es war kein einziger platz mehr frei. bei den öffnungszeiten steht zwar, dass am so auch um 9 aufgemacht wird, aber so wie’s ausschaut sperrt der schon um 6 in der früh auf… *ärger*
Von Vorteil sind allerdings Oropax, denn Viele wissen über diese Vorteile Bescheid und der Lärmpegel ist dementsprechend. Wer Wer auf Tageslicht legt, sollte früh aufstehen, da die Fensterplätze bereits zu unchristlichen Zeiten reserviert sind. Vor allem am Wochenende, wenn die meisten Bibliotheken in Wien geschlossen sind, ist die Hölle los!
Am Wochenende, speziell gegen Semesterende, sollte man wirklich früh dort sein, um noch einen Sitzplatz zu bekommen (manchmal auch noch vor der offiziellen Öffnung…) Am besten auch einen Mehrfachstecker mitnehmen, weil es nur eine sehr begrenzte Anzahl an Steckdosen gibt.
Lern- und Hörsaalzentrum oben in der Ebene 7 bzw. 8.
MAK-Lesesaal - der Ästhet - 1., Stubenring 5
Di–So 10–18 Uhr
Der schönste Lesesaal Wiens. Den Gründerzeitstil ergänzt eine moderne Möblierung: schlicht, massiv, mit viel Raum für jeden Lerner. Aus jedem Pult lugt eine Steckdose, der Saal ist ruhig, das Bibliothekspersonal freundlich. Der Nachteil: Durch die fehlende Klimaanlage steht die Luft, kein W-Lan. Öffentlich zugänglich (an der Museumskassa erhält man Zählkarten für den Lesesaal), an den Wochenenden mangels ausreichender Alternativen oft überfüllt.
Sie können im Kleinen Lesesaal mitgebrachte Bücher benutzen. Hier befinden sich neben ca. 60 Leseplätzen mehrere Computer, an welchen Internet-Nutzung möglich ist. Ebenso finden Sie hier Strom- und Netzwerksteckdosen zum Anschluss von Laptop-Computern.
In diesem Raum befindet sich aus technischen Gründen nach wie vor der alte Schlagwortkatalog bis 1931. Sie können alle alten Kartenkataloge auch als Image-Katalog auf unserer Homepage aufrufen.
Architekturzentrum MQ:
Die wohl netteste Wochenendlösung verspricht die Bibliothek des Architekturzentrums im Museumsquartier. Hell, freundlich, mit Tageslichtluken lässt es sich hier wunderbar pauken und die Lernpausen kann man sich im MQ vertreiben. Aber hier muss man ebenfalls zeitig auftauchen, da es nur sehr sehr wenige Sitzplätze gibt und der Andrang u Semesterbeginn- und Ende entsprechend groß ist. Es kann auch passieren, dass die Bibliotheksdamen etwas säuerlich darauf reagieren, wenn man seine Jus- oder Medizinunterlagen auspackt, daher sollte man zumindest so tun als ob man sich für Architektur interessiert und sich ein Buch mit an den Tisch legen.
Öffnungszeiten:
Mo, Mi, Fr 10:00 - 17:30 Uhr
Sa, So 10:00 - 19:00 Uhr
Café Jelinek:
Das Jelinek (Otto-Bauergasse 5, 1060 Wien) ist ein typisches Altwiener Kaffeehaus, in dem man ungestört, da keine Hintergrundmusik, seine Melange trinken und nebenbei Adorno oder Anatomiewälzer lesen kann. Ein Vorteil gegenüber Bibliotheken: Wer gerne beim Lernen eine Zigarette zur besseren Konzentration raucht, kann dies im Jelinek im Raucherbereich tun.
Öffnungszeiten:
Täglich 9.00 – 21.00 Uhr
Café Sperl:
Auch im Sperl (Gumpendorferstraße 11, 1060 Wien) kann man in den dunkelgrünen Samtenklaven wunderbar lernen, nebenbei Mehlspeisen essen und Häferlkaffee trinken und sich ganz in seine Bücher vertiefen. Die Kellner sind unaufdringlich und anscheinend an vertiefte Studierende gewöhnt.
Öffnungszeiten:
Montag – Samstag: 07.00 – 23.00 Uhr
Sonntag: 11.00 – 22.00 Uhr
Café Raimund:
Man merkt langsam, wir haben eine Vorliebe für Wiener Kaffeehäuser, aber dort wird man einfach nicht mit Fahrstuhlmusik oder sogenannter Loungemusik vollgeplärrt und die Preise sind meistens auch so moderat, dass man sich drei, vier Kaffees über den Nachmittag verteilt leisten kann (im Gegensatz zu amerikanischen Kaffeehausketten). Auch das Café Raimund (Museumsstraße 6, 1010 Wien) fällt unter die wunderbare Kategorie „Traditionsreiches, alteingesessenes Wiener Café“. Die Bedienung ist ungewöhnlich freundlich und herzlich, es gibt (ebenfalls untypisch) sehr guten und preisgünstigen Kaffee und man kann wunderbar lernen. Keine Hintergrundmusik, wenig bis gar keine Touristen, bequeme Sitzgelegenheiten. Wir können das Raimund nur weiterempfehlen!
Öffnungszeiten:
Montag – Freitag 07:00 – 00:00 Uhr
Samstag - Sonntag 09:00 – 00:00 Uhr
Sokrates: 469-399 v. Chr.
Platon: 428-348 v. Chr.
Isokrates: 436-338 v. Chr.
Euripides: 480-407 v. Chr.
Aristoteles: 384-322 v. Chr.
Nikolaus Kopernikus: 1473-1543
Immanuel Kant: 1724-1804
Johann Wolfgang von Goethe: 1749-1832
Charles Robert Darwin: 1809-1882
Wilhelm Nietzsche: 1844-1900
Sigmund Freud: 1856-1939
Edmund Husserl: 1859-1938 (Phänomenologie)
Martin Heidegger: 1889-1976 (Phänomenologie [Husserl], Lebensphilosophie [Dilthey])
Ludwig Wittgenstein: 1889-1951
Max Horkheimer: 1895-1973
Theodor W. Adorno: 1903-1969
Jean-Paul Sartre: 1905-1980 (Existentialismus [französische Existenzphilosophie]
Michel Foucault: 1926-1984
Klaus Holzkamp: 1927-1995
Jürgen Habermas: 1929- juhuu er lebt

Kapitel 6: the Marxist critique
S. 101 Holzkamp’s critique of traditional Psychology
Aus der Reihe: Library of the History of Psychology Theories
p. 101
Klaus Holzkamp (1927-1995) could be seen as following the footsteps of Vygotsky
Trying to provide a unique, innovative….conceptual network for psychology
He was a representative of German Critical Psychology
Holzkamp’s foundation of psychology follows a philosophical model of science, which was expressed by Hegel and later by Marx, and not a positivist research program
His ideas and writings should be understood in the context of West Berlin culture and the postwar Americanization of German Psychology
Worked at the Psychological Institute at the Free University of Berlin (not at the Institute of Psychology at the same University)
p. 102
Theory and Experiment in Psychology (1964): investigated the relationship between theory and experiment and demonstrated,
that the interpretation of experimental results was nat binding
that psychology offerd theories for which one could produce experiments that both verified and falsified the theory.
He did not really challenge the basic value of experiments for psychology, and argued that doubts about experiments were due to misunderstandings
He outlined criteria that should guide researchers when they were striving to achieve experiments representative of their theories
So he developed a new philosophy of science, called construcivism, in chich new criteria for research were developed
He showed that empirical-inductive philosophy of science was untenable
He attempted to develop a philosophy of science that would do justice to the real research practises of scientists
Notion: reality is constructed and created in psychological experiments
– later, when he had incorporated classical Marxism, he argued that nobody cared about criteria (note to self: vielleicht schon, aber nach freud wären das eher die neurotischen, zwanghaften personen), that even he himself did not consider them in his own experimental research practices
1972: Critical psychology: preparatory works
(in context of a broader social development in modern industrialized societies in the 1960s)
many students were sensitized to challenge society’s ideas and behaviors, due to
-cold war
-authoritarian structures in all areas of life and especially at universities
-the perceived failure of the majority of the population to deal adequatley with Germany’s past
-the lack of knowledge about parental involvement in German fascism
p. 103
Neo-Marxism provided a tool that allowed Holzkamp to propose solutions to problems in psychology and a compromise between critical-theoretical refelctions + traditional psychology à emancipatory psychology
The German Neo-Marxist movement was largely influenced by the thoughts of Max Horkheimer (1895-1973), Theodor W. Adorno (1903-1969) and Jürgen Habermas (*1929)
Horkheimer (prewar paper): traditional thoery (a positivist theory that applies logic, mathematics and deduction fort he assessment of ist sum-total of propositions; depicted as producing small and isolated empirical results while lacking theoretical unification) is extremely limited: The narrow focus of traditional theory would hide the social function of science, the social formation of facts, and the historical character of research objects
Alternative: critical theory, that relativized the separation of individual and society, and reject the separation of value and research and of knowledge and action. (?)
p. 104
Habermas included anglo-american philosophy of language into his thought
Shift away from marxist production paradigm + Central for commnicative foundation of sociology
Later he was able to integrate sociological system theory into his concept of society
Habermas suggested intimate relationshio between knowledge and interests, whereby the concept „interests“ represented not an economic, psychological, or political, but a transcendental category. Interest: fundamental orientations, that are necessary for the reproduction and self-constitution of the human species.
3 qualitatively different categories of science, guided by different interests:
-empirical-analytic sciences with technical cognitive interest
-historical-hermeneutic sciences with practical interpretative interest
-critical sciences with emancipatory interesst (f.ex psychoanalysis and marxist ideology critique)
Holzkamp wanted to develop emancipatory psychology; critizising traditional psychology meant:
-question the relevance of psychology for practice
-identify problems of traditional psychological methodology
-disclose psychology’s hidden ideological assumptions
inferential statistics and sophisticated experimental methods lead to particularization of reality in psychological research
discrepancy between experimental research and real social life à psychology cannot achieve technical relevance (technical relevance for the powerful anyways) psychology requires emancipatory relevance, which is accomplished if research helps individuals in obtainig self-enlightenment about their societal dependencies)
fundamental difference between subject matter of physics (subject-object relationship) and psychology +empirical research (subject- subject relationship) à experiments depend on the acceptance of arranged, reversible roles, according to which research subject only displays certein behaviors (note to self: what about: kontradependenz fragebögen? Wo leute genau das ankreuzen sollen, was am wenigsten zutrifft auf sie! Vll dann ehrlicher…) if experiment depended on cooperatve subjects à psychology not a natural science
p. 105
traditional psy conceptualizes the individual as concrete, the society as abstract (bourgeois ideology) but: as long as traditional psy abstracts individuals from their historical-societal position, individuels are extremely abstract
Holzkamp wants to bind theory to practice to achieve psychological enlightenment, wants a free and symmetic dialog in research, wants a socially responsible psychology
Holzkamp’s programm was soon overtaken by a new critical psychology inspired by the socialist turn of the german student movement.
Personal experiences made shift in Holzkamp’s ideology from critical-emancipatory to critical-conceptual and moved him away from compromises with traditional psychology (he challenged his own writings from a classical Marxist position)
p. 106
with social turn, Holzkamp aquired and applied pronciples of the cultural-historical school (Leontjew) and embraces classical Marxist literature (Marx, Engels)
critical-conceptual period lastet from 1973-1983 – research on the real subject matter of psychology, should gain positive knowledge
tried to develop a better conceptualization of psychological subject matters
critical psychology should include material from biology, physiology, ethology, anthropoly, archaeology and so on
Holzkamp (1973) emphasized that Darwin’s theory of evolution was the decisive framework for natural-historical analyses
p. 107
In his book Foundation of Psychology (1983) Holzkamp intended not only to reconstruct psychological objects, but also to reconstruct the psyche as such- Using a so-called analysis of categories (Kantian origin), he wanted to prove a systematic-paradigmatic foundation for psycholgy, ist subject matter and methology.
….
p. 108-110 (bis french reflections)
…
May 2013
4 posts
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- Lisa Badura: Wie kam es zum Projekt “EU 2111″?
- Walter Dickmanns: Das Projekt begann bereits im Jahr 2011. Über einen Kontakt von mediaOpera kamen wir zum Projekt „Europa 2111“, das ein Projekt aus dem Life Long Learning Programme der EU ist und untersucht, inwiefern der Einsatz von neuen Medien ein lebenslanges Lernen fördern kann. (Mehr Informationen zu diesen Initiativen, siehe Project-Facts). Unsere Schule wurde dankenswerterweise eingeladen, an diesem Projekt teilzunehmen. Die Präsentation wird Mitte Oktober 2012 in Lissabon stattfinden. Ein bis zwei Schüler produzieren jetzt ein Projekt zum Thema „EU 2111“, weil es 100 Jahre vom vorigen Jahr ausgegangen ist.
- Lisa Badura: Wie sah der Projektverlauf konkret aus?
- Walter Dickmanns: Jeder Schüler sollte zu Beginn ein Brainstorming verfassen und überlegen, was ihn interessiert. Parallel dazu haben wir, mein Kollege Karl Kühberger und ich, die Schüler über die verschiedenen Bereiche informiert. Ob das der Bereich Gesundheit, Bildung, Musik, Kunst oder was auch immer war – die Themenstellung war ganz offen. Grundlegend war die Frage, wie dieser Bereich in 100 Jahren ausschauen könnte. Nach dem Brainstorming hat jeder Schüler ein Storyboard verfasst und ein Exposé geschrieben. Alle Schritte wurden immer in Rücksprache mit uns vorgenommen. Bei der ein oder anderen Überlegung konnten wir so ein wenig einhaken und unterstützen, wenn das Projekt zu umfangreich angesetzt war. Der Film sollte nicht länger als fünf Minuten sein, da die Umsetzung für ein Semester angesetzt war und die Gefahr vermieden werden sollte, dass das Projekt nicht bewältigt werden kann.
- Lisa Badura: Was waren Themen, die behandelt wurden?
- Walter Dickmanns: Es wurden sehr spannende Themen aufgegriffen. Zum Beispiel, dass der Überwachungsstaat noch martialischer wird und Politiker das Volk als Marionettenpuppen verwenden. Dass man, wenn man etwas Bildung und Kreativität hat, schon Outsider ist. Dass die Umwelt schon so belastet ist, dass Kinder sterben und die Aussicht, Kinder zu bekommen, illusorisch wäre. Dass es verschiedene Kulturen – wie es sie im Jahr 2011/2012 noch gab – nicht mehr gibt und jetzt alles einheitlich ist. Ich empfand, dass die Jugendlichen sich sehr bewusst auf diese Dinge eingelassen haben.
- Lisa Badura: Welches Bild versuchen Sie von Europa zu vermitteln?
- Walter Dickmanns: Interrail feiert dieses Jahr 40-jähriges Jubiläum! Ich glaube, dass es ein sehr interessanter Impuls ist, andere Kulturen und Menschen kennenzulernen, selber großzügiger und gelassener zu werden und sich raus aus der Käseglocke der eigenen kleinen Umwelt und rein in die Ideen und Schöpfungen von anderen zu wagen. Auch das ERASMUS-Programm ist eine ganz grandiose Sache. Es gibt viele EU-Projekte, die diesen Austausch unterstützen. Und ich höre auch immer wieder von den Schülern, dass sie reisen und Neues kennenlernen wollen. Das versuchen wir zu unterstützen, indem wir internationale Festivals besuchen und die Plattform dafür schaffen.
- Lisa Badura: Was treibt Sie an?
- Walter Dickmanns: Ich fotografiere seit 1973. Durch das Medium Bild ist mein Leben erfüllter geworden, weil ich neugieriger geworden bin, genauer beobachte und die Welt zum Teil wie durch einen Sucher betrachte. Und das möchte ich auch meinen Schülern vermitteln. Es funktioniert.
- Lisa Badura: Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?
- Walter Dickmanns: Erfahrungen mit Jugendgruppen hatte ich bereits gemacht, als ich bei den Pfadfindern „Fähnleinführer“ war und Spaß dabei hatte, mit Jugendlichen zusammen zu sein. Das lag mir. In Bonn habe ich mit dem Studium der Geologie begonnen und später dann in Wien Biologie studiert. Im dritten Semester gab es dann die Möglichkeit zu unterrichten. Und weil ich mein Studium selbst finanzieren musste, bin ich so hineingerutscht. Seit 1979 habe ich Fotografie in einem Freifach unterrichtet und habe Lehrerfortbildungen diesbezüglich getätigt.
- Lisa Badura: Biologie hat auf den ersten Blick wenig mit Fotografie zu tun. Wie sind Sie zum Audiovisions- und Medienzweig gekommen?
- Walter Dickmanns: Ich bin als Geograf viel gereist und habe gern fotografiert. Und auch in der Biologie kann man viel fotografieren. Zum Beispiel hat mich die Mikroskopfotografie fasziniert. Grundsätzlich war ich diesen Dingen gegenüber immer sehr offen eingestellt und habe selbst viel produziert. Man kann sagen, mein Hobby ist mein Beruf. Nach dem Abschluss der Akademie der bildenden Künste bekam ich dann die Möglichkeit, Dinge mitzugestalten und so folgte meine Lehrtätigkeit hier an der Schule. In weiterer Folge konnte ich dann den Audiovisionszweig mit gründen.
- Lisa Badura: Woran orientieren sich Jugendliche heutzutage?
- Walter Dickmanns: Es hat mal eine Untersuchung gegeben, die aufzeigt, dass sich Jugendliche immer mehr von der Familie abwenden und Freunden zuwenden. Dass – großes Fragezeichen – Facebook wichtiger ist als die Mama. Ich bin da eher skeptisch, weil sie jetzt schon vorsichtiger damit umgehen und wissen, dass die Daten nicht gelöscht werden können und allen zur Verfügung stehen. Aber die Tendenz dahin ist leider am Horizont zu erkennen.
- Lisa Badura: Inwiefern wird die Auseinandersetzung mit Medien immer wichtiger?
- Walter Dickmanns: Ich habe den Eindruck, dass zwei Dinge auseinanderklaffen: Auf der einen Seite die alltägliche Welt, die immer platter und dünner wird bis hin zu inhaltslosen Hülsen. Auf der anderen Seite gibt es beispielsweise die Fotografie. Wenn ich sehe, was sich seit den 70er-Jahren getan hat und wie sie sich als eigenständige Kunstrichtung etabliert hat, ist das ein Spagat, der sehr groß ist und auseinanderdriftet. Diese beiden Welten wird es immer geben. Das, was eine Gesellschaft vorantreibt und das, was alles andere zumüllt.
- Lisa Badura: Wie wirkt sich der Konsum von Alltagsmedien auf die Sehgewohnheiten Ihrer Schülerinnen und Schüler aus?
- Walter Dickmanns: Ich glaube, wenn man Dinge anschaut und sich bewusst vor Augen führt, dann kommt automatisch das Empfinden, was einen geistig weiterbringt oder was einen nur davon abhält. Es ist selbstverständlich ein Unterschied, ob man etwas mit 15-Jährigen oder mit 18-Jährigen anschaut. Mit 15 ist man noch mehr in der Entwicklung und das Plakative reizt dann natürlich noch besonders stark. Und das darf ja auch ausgelebt werden. Aber am Ende sollte man schon die Frage nach dem Warum stellen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass diese Frage von den Schülern angenommen wird. Wenn ich mir das zum Beispiel bei diesem Projekt anschaue: Es wird an kleinen Bildsequenzen gefeilt, Sekunden werden herausgeschnitten, weil sie nichts bringen, sondern nur Füllmaterial sind.
- Lisa Badura: Was sind für Sie gelungene Medienprojekte?
- Walter Dickmanns: Ich glaube, Dinge sind dann gut, wenn Sie mehrschichtig sind. Es darf nach außen plakativ erscheinen. Wenn man tiefer hineinschauen kann, empfindet man eine andere Ebene. Wer sich näher damit beschäftigt und dadurch mehr weiß, sieht die Dinge dann in einem dritten Licht.
- Lisa Badura: Ihre Botschaft an Ihre Schülerinnen und Schüler?
- Walter Dickmanns: Mut haben, unkonventionelle Dinge anzugehen, kreativ, unverfroren und frech sein, aber in keiner Weise unhöflich. Sondern an sich glauben und etwas umsetzen!
- Lisa Badura: Vielen Dank für das Gespräch!
April 2013
11 posts

1. Sich Zeit nehmen
Planen Sie in der Hektik der Woche einen Tag oder einen Abend fest im Terminkalender ein und reservieren Sie diesen für sich.
Und endlich nur DAS tun, wonach ihnen der Sinn steht.
2. Sich bewegen
Sport bzw. Bewegung, die Ihnen Spass macht, baut Stress ab, setzt Glückshormone frei und schafft Distanz zum Alltag.
3. Bunt sehen
Achten Sie einmal auf die Wirkung von Farben in Ihrer Umgebung und nutzen Sie diese bewusst. Farben strahlen Energie aus undbeeinflussen die Gefühle.
Blau beruhigt, Rot und Orange bringen Power, Grün macht happy und Gelb kreativ.
4. Clever essen
Lebensmittel wie zum Beispiel Nüsse, Bananen oder Schokolade stecken voll mit Stoffen, die echte Glücksbringer sind.
5. In den Gefühlen aufrichtig sein
Stehen Sie einmal mehr zu Stimmungen wie spontaner Freude, Wut und Trauer. Wer sich hinter einer Maske versteckt, wirkt gekünstelt -
und ist angespannt.
6. Tief und ruhig atmen
Tiefes und bewußtes Ein- bzw. Ausatmen beruhigt den Puls
und die Gedanken von selbst.
7. Lächeln und lachen
Sich einmal mehr im Spiegel anzulächeln beruhigt die Gesichtsmuskeln, entspannt und bringt gute Laune - selbst wenn das Lächeln nur aufgesetzt ist.
Noch besser ist natürlich: mit Freunden und Bekannten ausgelassen lachen.
8. Musik hören
Stress, Traurigkeit, miese Laune - die richtige CD (oder Kassette) vertreibt die Wolken etwas schneller und läßt Sie Abstand gewinnen.
9. Düfte schnuppern
Riechen Sie wieder einmal bewußt an einer Rose, nutzen SieZitronenöl in einer Duftlampe. Oder Träufeln Sie etwasLavendel auf Kissen - mit Aromen läßt sich die Entspannung gezielt steuern.
10. Stille suchen
Machmal ist es einfach wichtig, für ein paar Minuten nicht zu tun, einfach ins Leere zu starren, die Gedanken kommen und gehen zu lassen.
11. Locker bleiben
Realistische Erwartungen an sich und das Leben sind die Basis für Glück.
Wie nie zufrieden ist macht sich fertig und blockiert positive Gedanken.
12. Baden und abtauchen
Nirgends versinkt der Nerv des Alltags so sinnlich wie beim Dahintreiben in der Badewanne.
Nichts ist so dringlich, als das es auch noch einen Moment später erledigt werden könnte.
1991 - AUT/GER
directed by_Werner Schroeter
based on_Ingeborg Bachmann
screenplay_Elfriede Jelinek
w/_Isabelle Huppert
Eine Schriftstellerin lebt in Wien mit dem vernunftbestimmten Malina zusammen, der dafür sorgt, dass sie sich nicht zu sehr in der Welt der Fantasie verliert. Als sie den jungen Ungarn Ivan kennenlernt, verliebt sie sich Hals über Kopf in ihn. Doch Ivan kann das Übermaß an Gefühlen, die sie ihm entgegenbringt, nicht erwidern und wendet sich von ihr ab. Die ohnehin von Zweifeln geplagte Schriftstellerin stürzt daraufhin in eine tiefe Krise.
#eine woche ohne dich ist eine woche ohne wirklichkeit. du kannst dir das gar nicht vorstellen
#als nächstes möchte ich selbst krank werden
#du solltest bei diesem licht nicht arbeiten - es ist gift für die augen
#alltag kann nicht explodieren
#niemand kann alles sein für eine person. das ist es eben. nie war jemand alles für mich
#lass dich nicht so fallen. tu was! tu irgendwas! lass dich nicht so gehen! verlass dich nicht!
#wenn du mich jetzt nicht hälst ist es mord. mord. aber du wirst es nicht gewesen sein
Empfindung. (Schöne Künste) Dieses Wort drückt sowohl einen psychologischen als einen moralischen Begriff aus; beide kommen in der Theorie der Künste vielfältig vor. In dem ersteren Sinn, der allgemeiner ist, wird die Empfindung der deutlichen Erkenntnis entgegen gesetzt und bedeutet eine Vorstellung, insofern sie einen angenehmen oder unangenehmen Eindruck auf uns macht oder insofern sie auf unsere Begehrungskräfte wirkt oder insofern sie die Begriffe des Guten oder Bösen, des Angenehmen oder Widrigen erweckt; da die Erkenntnis eine Vorstellung ist, insofern sie auf die bloße Vorstellungskräfte wirkt oder insofern sie uns die Beschaffenheit der Dinge mit mehr oder weniger Deutlichkeit erkennen lässt. Bei der Erkenntnis sind wir mit dem Gegenstand als einer ganz außer uns liegenden Sache beschäftigt; bei der Empfindung aber geben wir mehr auf uns selbst, auf den angenehmen oder unangenehmen Eindruck, den der Gegenstand auf uns macht als auf seine Beschaffenheit, Achtung. Die Erkenntnis ist hell oder dunkel, deutlich und ausführlich oder konfus und eng eingeschränkt; die Empfindung aber ist lebhaft oder schwach, angenehm oder unangenehm.
In moralischem Sinn ist die Empfindung ein durch öfter Wiederholung zur Fertigkeit gewordenes Gefühl, insofern es zur Quelle gewisser innerlicher oder äußerlicher Handlungen wird. So sind Empfindungen der Ehre, der Rechtschaffenheit, der Dankbarkeit, Eindrücke, die gewisse Gegenstände so oft auf uns gemacht haben, dass sie, wenn ähnliche Gegenstände wieder vorkommen, schnell in uns entstehen und sich als herrschende Grundtriebe der Handlungen äußern. Dieses sind die Empfindungen, deren verschiedene Mischung und Stärke den sittlichen Charakter des Menschen bestimmen. In diesem Sinn sagt man von einigen Menschen, sie haben kein Gefühl oder keine Empfindungen, nämlich, keine herrschende Empfindung von Ehre, von Rechtschaffenheit; von Menschlichkeit, von Liebe des Vaterlandes u. d. gl.
Menschen von etwas stumpfen Sinnen, die nie mit irgend einem beträchtlichen Grad der Lebhaftigkeit fühlen, bei denen angenehme sowohl als unangenehme Empfindungen nur durch sehr stark wirkende Eindrücke erregt werden, haben wenig Empfindung in psychologischem Sinn des Wortes; die aber, auf welche die Gegenstände bald vorüber gehende Wirkung tun, sie sei stark oder schwach, in denen keine Art der Empfindung herrschend worden, sind die, denen man das moralische Gefühl, das, was die Franzosen Sentimens nennen und was wir oft durch Gesinnungen ausdrücken, abspricht. So wie Philosophie oder Wissenschaft überhaupt, die Erkenntnis zum Endzweck hat, so zielen die schönen Künste auf Empfindung ab. Ihre unmittelbare Wirkung ist Empfindung in psychologischem Sinn zu erwecken; ihr letzter Endzweck aber geht auf moralische Empfindungen, wodurch der Mensch seinen sittlichen Wert bekommt.1 Sollen die schönen Künste Schwestern der Philosophie, nicht bloß leichtfertige Dirnen sein, die man zum Zeitvertreib herbei ruft, so müssen sie bei Ausstreuung der Empfindungen von Verstand und Weisheit geleitet werden. Dieses ist ein Gesetz, das auch den Wissenschaften vorgeschrieben ist. Nisi utile est, quod facimus, stulta est Sapientia, sagt ein eben so bescheidener als verständiger Dichter.2 Die Wissenschaft, die bei Aufklärung und Entwicklung der Begriffe keine Wahl beobachtet, der jeder Begriff, er sei brauchbar oder nicht, gleich wichtig ist, strikt Netze von Spinnweben, darin nur Fliegen gefangen werden, sie wird allen Verständigen zum Gespött. Dieses ist in der allgemeinen gesunden Vernunft gegründet, dass wir über die lachen, die sich in Wissenschaften und in mechanischen Künsten mit mühsamen Kleinigkeiten abgeben. Sollte denn dieses Gesetz der Nutzbarkeit, dieser notwendige Beistand der Weisheit, die schönen Künste nichts angehen? Welcher verständige Künstler wird sich selbst dadurch erniedrigen wollen, dass er sich und seine Kunst von den Gesetzen der Weisheit und der allgemeinen philosophischen Polizei ausgeschlossen hält? Heinrich der IV. in Frankreich gab ein Gesetz, das die Kleiderpracht einschränkte; einige dem Volke zum Zeitvertreib dienende Frauenspersonen wollten sich dem Gesetz auch unterwerfen, aber der philosophische König sagte spöttisch zu ihnen; für euch ist dieses Gesetz nicht gemacht; ihr seid nicht wichtig genug, dass ein Gesetzgeber sich um euch bekümmern sollte. In diese edle Gesellschaft verweisen wir auch die Künstler, die die Gesetze der Weisheit, denen sich die Philosophie völlig unterwirft, für sich nicht verbindlich halten.
Da es also das eigentliche Geschäft der schönen Künste ist Empfindungen zu erwecken und da sie in diesem Geschäfte von Vernunft und Weisheit müssen geleitet werden, so entsteht daher in der Theorie der Künste diese wichtige Frage, wie die Empfindungen überhaupt müssen behandelt werden.
Die allgemeine Beantwortung dieser Frage ist nicht schwer. Der Mensch muss auf der einen Seite einen gewissen Grad der Empfindsamkeit für das Schöne und Hässliche, für das Gute und Böse haben; denn der unempfindliche Mensch ist in Ansehung des sittlichen Lebens so übel daran als der dessen Sinne stumpf sind, für das tierische Leben; auf der anderen Seite ist es wichtig, dass er nach den allgemeinen und besonderen Verhältnissen, darin er lebt, gewisse, mehr oder weniger herrschende, Empfindungen in seiner Seele habe, aus deren harmonischer Mischung ein seinem Stand und Beruf wohl angemessener moralischer Charakter entsteht. Also müssen die schönen Künste diese beiden Bedürfnisse des Menschen zu ihrem letzten Endzweck haben; sie müssen das ihrige beitragen, ihm einen wohl gemäßigten Grad der Empfindsamkeit zu geben und eine gute Mischung herrschender Empfindungen in seiner Seele fest zu setzen; bei besonderen Gelegenheiten aber müssen sie so wohl die Empfindsamkeit als die herrschenden Empfindungen in dem Grad erwecken als es nötig ist, ihn tätig zu machen. Diejenigen also, die sich einbilden, der Künstler habe nichts zu tun, als mancherlei Gegenstände der Empfindungen, in einer angenehmen Mischung durch einander, dem Geschmack so vorzulegen, dass aus dem Spiel der Empfindungen ein unterhaltender Zeitvertreib entsteht, haben zu niedrige Begriffe von der Kunst. Werke von dieser Art wollen wir nicht verwerfen; sie gehören, wie die mancherlei angenehmen Szenen der leblosen Natur, die Empfindsamkeit des Herzens zu unterhalten: aber wie der schöne Schmuck der Natur nur das Kleid ist, das die, zur allgemeinen Erhaltung und Vervollkommnung aller Wesen abzielenden Kräfte einhüllet, so müssen auch die angenehmen Werke der Kunst, durch die, unter dem schönen Kleide liegenden, höheren Kräfte ihren Wert bekommen.
Eine allgemeine, wohl geordnete Empfindsamkeit des Herzens ist also der allgemeinste Zweck der schönen Künste. Darum suchen sie jede Saite der Seele, sowohl die die Lust als die welche Unlust erwecken, zu rühren. Denn da der Mensch sowohl antreibende als zurückstoßende Kräfte nötig hat, so muss er für das Schöne und für das Hässliche, für das Gute und für das Böse empfindsam sein. Dazu dienen die so unendlich verschiedenen Gegenstände und Szenen, aus der leblosen und aus der belebten, aus der bloß physischen und aus der sittlichen Welt. Alle Gegenstände des Geschmacks werden im Gemälde, in der Beschreibung, in der Ode, in der Epopöe oder im Drama, in jeder Gattung der Behandlung so vorgelegt, dass die Seele ihre Empfindsamkeit daran üben könne, dass sie das Schöne und Gute angenehm, das Hässliche und Böse widrig empfinde. Hierbei hat also der Künstler nur dafür zu sorgen, dass jedes in seiner wahren Gestalt hell vor uns stehe, damit wir es empfinden mögen. Er hat sich vor dem unbestimmten und unwirksamen zu hüten, auf die richtigste Zeichnung jedes Gegenstandes zu befleißen und auf eine gute Form seines Werks zu denken, wodurch es im Ganzen interessant wird.
Aber die allgemeine Regel der Weisheit muss er nicht aus den Augen lassen, dass er das Maß der Empfindsamkeit nicht überschreite. Denn wie der Mangel der genügsamen Empfindsamkeit eine große Unvollkommenheit ist, indem er den Menschen steif und untätig macht, so ist auch ihr Übermaß sehr schädlich, weil es ihn weichlich, schwach und unmännlich macht. Diese wichtige Warnung, die Sachen nicht zu weit zu treiben, scheinen einige unserer deutschen Dichter, die sonst unter die besten gehören, besonders nötig zu haben. Sie scheinen in dem Wahn zu stehen, dass die Gemüter nie zu viel können gereizt werden. Den Schmerz wollen sie gern bis zum Wahnsinn und zur Verzweiflung, den Abscheu bis zum äußersten Grad des Entsetzens, jede Lust bis zum Taumel und jedes zärtliche Gefühl bis zum Zerfließen aller Sinne treiben. Dieses zielt gerade darauf ab, den Menschen zu einem elenden schwachen Ding zu machen, das von Lust, Zärtlichkeit und Schmerzen so überwältigt wird, dass es keine wirksame Kraft mehr behält, dem alle Standhaftigkeit und aller männliche Mut fehlt.
Man erzählt von der Porcia, des großen Catos Tochter und Gemahlin desMarcus Brutus, dass sie den Abschied ihres Gemahls, der nun auszog das große Werk der Befreiung der Republick, das durch Cäsars Tod angefangen worden, durch die Waffen zu unterstützen, mit großer Standhaftigkeit ertragen. Einige Zeit danach aber als sie ein Gemälde gesehen, das den Abschied des Hectors von der Andromache nur allzu beweglich vorstellte, verlor sie den männlichen Mut, der ihr so viel Ehre gemacht hatte. Also hat der Maler einer sonst großen Seele den Mut und die Stärke benommen. An einem eben so schädlichen Werk arbeiten alle Künstler, die die Empfindungen zu weit treiben. Der äußerste Grad des Großen in der Empfindung geht wieder ins kleine hinüber. Selbst Liebe und Freundschaft müssen, wie ein großer Künstler anmerkt, in gewissen Schranken gehalten und nicht so weit getrieben werden, dass sie bis in das innerste Mark der Seele dringen.3
Man wird wenig Beispiele der zu weit getriebenen Empfindungen bei den Alten antreffen, die also auch in diesem Stück unsere Muster sein können. Wenigstens wird man selbst im Trauerspiel, bis auf den Seneca herunter, eine weise Behandlung der Empfindungen antreffen. Auch in den heftigsten Leidenschaften behalten ihre Personen eine gewisse Größe, die ihr Ziel nicht überschreitet. Wenn Anakreon sich durch Wein und Liebe zur Fröhlichkeit ermuntert, wenn er damit seinen Scherz treibt; so bleibt er in den Schranken einer wohl geordneten Empfindung: wenn aber viel seiner neueren Nachfolger keinen Scherz verstehen, wenn sie dabei in Leidenschaft geraten, die so gar bisweilen bis zum Unsinn getrieben wird; wenn sich einige wie Trunkenbolde, andere wie entnervte Wollüstlinge zeigen, so schweifen sie weit über die Schranken heraus: und indem wir uns an Anakreon ergötzen, erwecken diese unser Mitleiden oder ziehen sich unsere Verachtung zu. Dieses sei von den Schranken der Empfindungen gesagt.
Der wichtigste Dienst, den die schönen Künste den Menschen leisten können, besteht ohne Zweifel darin, dass sie wohl geordnete herrschende Neigungen, die den sittlichen Charakter des Menschen und seinen moralischen Wert bestimmen, einpflanzen können. Empfindungen der Rechtschaffenheit und allgemeinen Redlichkeit, der wahren Ehre, der Liebe des Vaterlandes, der Freiheit, der Menschlichkeit u. s. f. sind in der sittlichen Welt die allgemeinen Kräfte, wodurch die Ordnung, Übereinstimmung, Ruh und Wohlstand erhalten werden. Nur durch sie gelangen die Menschen zu Verdiensten, werden Beschützer der Rechte der Menschlichkeit, Stützen des Staats und Erhalter der Ordnung, der Ruh und des Wohlstandes in größeren oder kleineren Gesellschaften, die gewiss verloren sind, wenn es ihnen an Männern dieser Art fehlt. Weh dem Volke, der Gesellschaft, der Familie, wo die Empfindungen der Ehre, der Redlichkeit, des Rechts erloschen oder nur so schwach sind, dass sie nicht mehr die Triebfedern der Handlungen sein können.
Hier öffnet sich also ein schönes Feld für alle Künstler, vorzüglich aber für Dichter, die es in ihrer Macht haben, jede wohltätige Neigung und Empfindung in den Gemütern wohl geborener Menschen herrschend zu machen. Nach dieser Krone laufe du, Jüngling, dem die Natur die Gabe verliehen hat, durch süße Worte jedes Ohr zu fesseln und durch reizende Bilder jede Phantasie einzunehmen. Erwecke deiner Nation Männer, deren herrschende Leidenschaft die Liebe des allgemeinen Besten, die Liebe des Rechts und der Ordnung, Hass des Unrechts und der Gewalttätigkeit, Feindschaft gegen jeden Kränker der Rechte der Menschlichkeit ist: dann wollen wir dir Ehrensäulen aufrichten; dann soll dir unter den großen Männern des Staates eine Stelle gegeben werden.
Die schönen Künste haben zwei Wege dem Menschen Empfindungen einzuflössen. Wenn du mich willst zum Weinen bewegen, sagt Horaz, so weine du selbst; dieses ist der eine Weg. Der andere ist die lebhafte Darstellung oder Vorbildung der Gegenstände, worauf die Empfindung unmittelbar geht; wer Mitleiden erwecken will, muss den Gegenstand des Mitleidens uns lebhaft vors Gesicht bringen. Fast alle Arten der Dichtungen schicken sich so wohl zum einen als zum anderen Weg. Der epische Dichter und der dramatische, beide können die Empfindung, die sie uns einflössen wollen, in anderen so lebhaft, so stark und so liebenswürdig zeichnen, dass auch unser Herz dafür eingenommen wird. So schildert Bodmer die herrschende Gottesfurcht und die daher entstehende Unschuld und himmlische Seelenruhe an den Noachiden auf eine Art, die jeden empfindsamen Menschen dafür einnimmt.4 Der Oden- und Liederdichter äußert die Empfindung, die er in unser Herz legen will, an sich selbst; er öffnet sein Herz, dass wir die lebhafteste Wirksamkeit der Empfindung darin sehen und wir legen unser eigenes Herz an das seinige, damit es von derselben Empfindung gerührt und von demselben Feuer entflammt werde.
Eben so gewiss kann der Künstler jeder Empfindung den Weg in unser Herz bahnen, wenn er durch seine zauberische Kunst den Gegenstand derselben unserer Phantasie lebhaft vorbildet. Kein Grieche konnte das erhabene Bild des Jupiters, von Phidias gemacht, im Tempel zu Olympia sehen, ohne von Ehrfurcht gegen diesen Gott erfüllt zu werden.
Welcher Mensch von einiger Empfindsamkeit kann die Schilderung der Tyrannei Magogs lesen,5 ohne dass er mit Hass und Abscheu dagegen eingenommen werde? Oder wer kann den wütenden Philo reden hören,6 und nicht auf immer mit Hass und Abscheu gegen einen gewalttätigen Heuchler erfüllt werden? Welcher Sohn kann das Bild eines wegen seiner väterlichen Sorgfalt und seiner nachgebenden Liebe verehrungswürdigen Vaters, das Terenzin der Person des Chremes geschildert hat, sehen, und nicht mit kindlicher Ehrfurcht für einen solchen Vater erfüllt werden und wenn er einen solchen Vater hat, mit dem Sohn ausrufen »und dieser ist mein Vater und ich sein Sohn? Wäre er mein Bruder, mein Freund, wie könnt’ er gefälliger sein? Den sollt ich nicht lieben? Nicht auf den Armen tragen? O! Wahrlich ich fürchte mich so sehr ihn zu beleidigen, dass meine größte Sorge sein wird, auch nicht aus Unvorsichtigkeit etwas zu tun, das ihm zuwider sein könnte«7
Da es das eigentliche Werk der Künstler ist, die Gegenstände der Empfindungen und die Empfindungen selbst auf das lebhafteste zu schildern, beides aber wichtigen Einfluss auf die Bildung der Gemüter haben kann, so steht es offenbar bei ihnen jede Empfindung zu erwecken, wenn sie nur nicht ganz unempfindliche Menschen vor sich haben. Der Künstler also, der seines Berufs eingedenk, seine Kräfte fühlt, weiht sich selbst zum Lehrer und Führer seiner Mitbürger. Mit dem Auge eines Philosophen und Patrioten, erforscht er ihren Charakter und ihre Gesinnungen; er kennt darin die Quellen und Ursachen des gegenwärtigen oder zukünftigen Wohlstandes oder Verfalls einzelner Häuser und der ganzen Gesellschaft. Dann begeistert ihn sein Eifer für Ordnung und Recht, seine Begierde rechtschaffene und auch glückliche Menschen zu sehen; er entflammt die noch nicht jedem Gefühl der Rechtschaffenheit abgestorbenen Herzen mit neuen Empfindungen; unterhält und verstärkt das Feuer derselben, wo es noch nicht erloschen ist.
Diesen großen Einfluss könnten und sollten die schönen Künste haben; sie würden ihn haben, wenn bei dem Künstler das große Genie, mit einem großen Herzen verbunden und die Regenten der Völker auch Väter derselben wären, die der Wirksamkeit des Genies der Künstler ihre rechte Lenkung gäben. Nur ein Mensch, wie Voltaire, was würde der nicht ausgerichtet haben, wenn sein Herz so groß als sein Genie gewesen und wenn er im Dienst eines Solons oder Lycurgusgestanden hätte? Wenn diese Betrachtungen bloß süße Träume sind, so sind sie es gewiss nicht darum, dass es ihnen an innerer in der Natur der Sachen liegenden Gründlichkeit fehlt; denn die Möglichkeit der Sache liegt am Tage.
Noch eine Anmerkung wollen wir diesen Betrachtungen für die Künstler hinzufügen, die wirklich die Absicht haben nützlich zu sein. Wir wollen sie warnen bei den Empfindungen, die sie erwecken wollen, nicht allzu sehr nach einem allgemeinen Ideal zu arbeiten. So wie der, welcher alle Menschen seiner Freundschaft versichert, keines einzigen Menschen Freund ist, so ist auch der nach einem allgemeinen Ideal der Vollkommenheit gebildete Mensch schwerlich in irgendeinem Staat der rechtschaffene Bürger. Die Empfindung, die recht wirksam werden soll, muss einen ganz nahen und völlig bestimmten Gegenstand haben. Es gibt freilich allgemeine Empfindungen der Menschlichkeit, die in allen Ländern, in allen Zeiten und unter allen Völkern gleich gut sind. Aber auch diese müssen bei jedem Menschen ihre besondere, seinem Stand und den nähern Verhältnissen, darin er ist, angemessene Bestimmung haben. Der allgemeine rechtschaffene Mensch muss noch besonders gebildet werden, wenn er in Sparta oder in Athen oder in Rom, der rechtschaffene Bürger sein soll. Wir raten keinem Künstler für alle Völker und so gar für alle nachfolgenden Zeiten zu arbeiten; dies wäre der Weg bei keinem Volk und in keiner Zeit nützlich zu sein. Homer undOßian der schottische Barde, haben weder an die Nachwelt, noch an andere Völker als die unter denen sie lebten, gedacht als sie Gesänge gedichtet, die zu allen Zeiten werden gelesen werden. So haben Sophokles, Euripides und Horaznicht für das menschliche Geschlecht, sondern für Athen und Rom geschrieben. Je mehr der Künstler die besonderen Verhältnisse seiner Zeit und seines Orts vor Augen hat, je gewisser wird er die Saiten treffen, die er berühren will. Am allerwenigsten sollten sich die Künstler einfallen lassen, Gegenstände die bloß auf einen fremden Horizont abgepasst sind, auf dem unsrigen aufzustellen? was für eine abgeschmackte Figur machen nicht die Götter der Griechen in unseren Gärten und auf unseren Palästen? Sie sind eben so schicklich als es sein würde, wenn der Lappländer die leichten seidenen Kleider der Indianer in seinem Land einführen wollte. Dieses sollten vornehmlich die Maler und die dramatischen Dichter beobachten und uns nicht unaufhörlich mit mythologischen und aus einer uns ganz unbekannten Welt hergenommenen Gegenständen unterhalten. Wir können an den gemalten Verwandlungen des Ovidius wenig mehr als den Pinsel des Malers schätzen; dies ist aber nicht der Zweck der Kunst; und was kann uns auf der deutschen Schaubühne der lächerlichste Marquis, die leichtfertigsteSoubrette oder ein schelmischer Lakai helfen? Was würde der beste Liederdichter, der die witzigsten und artigsten Vaudevilles der Franzosen aufs beste nachahmen könnte, in irgendeiner deutschen Stadt damit ausrichten? Der Künstler trifft am gewissesten den Weg zum Herzen, der einheimische Gegenstände schildert und der das allgemeine der Empfindung durch Lokalumstände fühlbarer und reizender macht.
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1 S. Künste.
2 Phædrus.
3 Euripid. in Hippol. vers 253. seq.
4 Man sehe unter anderen in der Noachide S. III. in IV Gesang; 153 u. s. f. in dem VI, S. 204 in dem VII Ges. nach der berlinischen Ausgabe.
5 Noachide II Ges. S. 44 u. s. f.
6 Meßias IV Ges.
7 Terent. Adelph. Act. IV Scen. 5.

Wir kannten nicht sein unerhörtes Haupt,
darin die Augenäpfel reiften. Aber
sein Torso glüht noch wie ein Kandelaber,
in dem sein Schauen, nur zurückgeschraubt,
sich hält und glänzt. Sonst könnte nicht der Bug
der Brust dich blenden, und im leisen Drehen
der Lenden könnte nicht ein Lächeln gehen
zu jener Mitte, die die Zeugung trug.
Sonst stünde dieser Stein entstellt und kurz
unter der Schultern durchsichtigem Sturz
und flimmerte nicht so wie Raubtierfelle;
und bräche nicht aus allen seinen Rändern
aus wie ein Stern: denn da ist keine Stelle,
die dich nicht sieht. Du mußt dein Leben ändern.
Aus: Der neuen Gedichte anderer Teil (1908)
NY Times article by Graham Hill
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sondern lehre den Männern die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer” — Antoine de Saint-Exupéry
March 2013
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madonna - power of goodbye
was findet dein itunes wenn du nach POW GOO suchst?
EBEN.
das lied ist dir nicht wurscht.
WAS MACH ICH NOCH HIER?
aber
ICH WILL NICHT GEHEN WEIL
ich liebe ihn
warum —
auch immer
so viel geborgenheit
attraktivität
anziehung
ich verwechsel da was,
luke, I’M YOUR FATHER
das ist nicht
die
realität
ICH WILL MEHR
und ich lerne
mir zu holen
was ich brauche
schwer
schwer lernen zu fühlen
beautiful and intense
..
sad,
though
Kapitel 1
Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.
Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung frei gesprochen (naturaliter maiorennes), dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es Anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt, u.s.w., so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen. Ich habe nicht nötig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann; andere werden das verdrießliche Geschäft schon für mich übernehmen. Daß der bei weitem größte Teil der Menschen (darunter das ganze schöne Geschlecht) den Schritt zur Mündigkeit, außer dem daß er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte: dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben. Nachdem sie ihr Hausvieh zuerst dumm gemacht haben und sorgfältig verhüteten, daß diese ruhigen Geschöpfe ja keinen Schritt außer dem Gängelwagen, darin sie sie einsperrten, wagen durften, so zeigen sie ihnen nachher die Gefahr, die ihnen droht, wenn sie es versuchen allein zu gehen. Nun ist diese Gefahr zwar eben so groß nicht, denn sie würden durch einigemal Fallen wohl endlich gehen lernen; allein ein Beispiel von der Art macht doch schüchtern und schreckt gemeinhin von allen ferneren Versuchen ab.
Es ist also für jeden einzelnen Menschen schwer, sich aus der ihm beinahe zur Natur gewordenen Unmündigkeit herauszuarbeiten. Er hat sie sogar lieb gewonnen und ist vor der Hand wirklich unfähig, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, weil man ihn niemals den Versuch davon machen ließ. Satzungen und Formeln, diese mechanischen Werkzeuge eines vernünftigen Gebrauchs oder vielmehr Mißbrauchs seiner Naturgaben, sind die Fußschellen einer immerwährenden Unmündigkeit. Wer sie auch abwürfe, würde dennoch auch über den schmalsten Graben einen nur unsicheren Sprung tun, weil er zu dergleichen freier Bewegung nicht gewöhnt ist. Daher gibt es nur Wenige, denen es gelungen ist, durch eigene Bearbeitung ihres Geistes sich aus der Unmündigkeit heraus zu wickeln und dennoch einen sicheren Gang zu tun.
Daß aber ein Publikum sich selbst aufkläre, ist eher möglich; ja es ist, wenn man ihm nur Freiheit läßt, beinahe unausbleiblich. Denn da werden sich immer einige Selbstdenkende sogar unter den eingesetzten Vormündern des großen Haufens finden, welche, nachdem sie das Joch der Unmündigkeit selbst abgeworfen haben, den Geist einer vernünftigen Schätzung des eigenen Werts und des Berufs jedes Menschen selbst zu denken um sich verbreiten werden. Besonders ist hierbei: daß das Publikum, welches zuvor von ihnen unter dieses Joch gebracht worden, sie danach selbst zwingt darunter zu bleiben, wenn es von einigen seiner Vormünder, die selbst aller Aufklärung unfähig sind, dazu aufgewiegelt worden; so schädlich ist es Vorurteile zu pflanzen, weil sie sich zuletzt an denen selbst rächen, die oder deren Vorgänger ihre Urheber gewesen sind. Daher kann ein Publikum nur langsam zur Aufklärung gelangen. durch eine Revolution wird vielleicht wohl ein Abfall von persönlichem Despotismus und gewinnsüchtiger oder herrschsüchtiger Bedrückung, aber niemals wahre Reform der Denkungsart zustande kommen; sondern neue Vorurteile werden ebensowohl als die alten zum Leitbande des gedankenlosen großen Haufens dienen.
Zu dieser Aufklärung aber wird nichts erfordert als Freiheit; und zwar die unschädlichste unter allem, was nur Freiheit heißen mag, nämlich die: von seiner Vernunft in allen Stücken öffentlichen Gebrauch zu machen. Nun höre ich aber von allen Seiten rufen: räsonniert nicht! Der Offizier sagt: räsonniert nicht, sondern exerziert! Der Finanzrat: räsonniert nicht, sondern bezahlt! Der Geistliche: räsonniert nicht, sondern glaubt! (Nur ein einziger Herr in der Welt sagt: räsonniert, so viel ihr wollt, und worüber ihr wollt; aber gehorcht!) Hier ist überall Einschränkung der Freiheit. Welche Einschränkung aber ist der Aufklärung hinderlich? welche nicht, sondern ihr wohl gar beförderlich? – Ich antworte: der öffentliche Gebrauch seiner Vernunft muß jederzeit frei sein, und der allein kann Aufklärung unter Menschen zustande bringen; der Privatgebrauch derselben aber darf öfters sehr enge eingeschränkt sein, ohne doch darum den Fortschritt der Aufklärung sonderlich zu hindern. Ich verstehe aber unter dem öffentlichen Gebrauch seiner eigenen Vernunft denjenigen, den jemand als Gelehrter von ihr vor dem ganzen Publikum der Leserwelt macht. Den Privatgebrauch nenne ich denjenigen, den er in einem gewissen ihm anvertrauten bürgerlichen Posten oder Amte von seiner Vernunft machen darf. Nun ist zu manchen Geschäften, die in das Interesse des gemeinen Wesens laufen, ein gewisser Mechanism notwendig, vermittels dessen einige Glieder des gemeinen Wesens sich bloß passiv verhalten müssen, um durch eine künstliche Einhelligkeit von der Regierung zu öffentlichen Zwecken gerichtet, oder wenigstens von der Zerstörung dieser Zwecke abgehalten zu werden. Hier ist es nun freilich nicht erlaubt, zu räsonnieren; sondern man muß gehorchen. So fern sich aber dieser Teil der Maschine zugleich als Glied eines ganzen gemeinen Wesens, ja sogar der Weltbürgergesellschaft ansieht, mithin in der Qualität eines Gelehrten, der sich an ein Publikum im eigentlichen Verstande durch Schriften wendet: kann er allerdings räsonnieren, ohne daß dadurch die Geschäfte leiden, zu denen er zum Teile als passives Glied angesetzt ist. So würde es sehr verderblich sein, wenn ein Offizier, dem von seinen Oberen etwas anbefohlen wird, im Dienste über die Zweckmäßigkeit oder Nützlichkeit dieses Befehls laut vernünfteln wollte; er muß gehorchen. Es kann ihm aber billigermaßen nicht verwehrt werden, als Gelehrter über die Fehler im Kriegesdienste Anmerkungen zu machen und diese seinem Publikum zur Beurteilung vorzulegen. Der Bürger kann sich nicht weigern, die ihm auferlegten Abgaben zu leisten; sogar kann ein vorwitziger Tadel solcher Auflagen, wenn sie von ihm geleistet werden sollen, als ein Skandal (das allgemeine Widersetzlichkeiten veranlassen könnte) bestraft werden. Eben derselbe handelt demungeachtet der Pflicht eines Bürgers nicht entgegen, wenn er als Gelehrter wider die Unschicklichkeit oder auch Ungerechtigkeit solcher Ausschreibungen öffentlich seine Gedanken äußert. Ebenso ist ein Geistlicher verbunden, seinen Katechismusschülern und seiner Gemeinde nach dem Symbol der Kirche, der er dient, seinen Vortrag zu tun; denn er ist auf diese Bedingung angenommen worden. Aber als Gelehrter hat er volle Freiheit, ja sogar den Beruf dazu, alle seine sorgfältig geprüften und wohlmeinenden Gedanken über das Fehlerhafte in jenem Symbol und Vorschläge wegen besserer Einrichtung des Religions- und Kirchenwesens dem Publikum mitzuteilen. Es ist hiebei auch nichts, was dem Gewissen zur Last gelegt werden könnte. Denn was er infolge seines Amts als Geschäftträger der Kirche lehrt, das stellt er als etwas vor, in Ansehung dessen er nicht freie Gewalt hat nach eigenem Gutdünken zu lehren, sondern das er nach Vorschrift und im Namen eines anderen vorzutragen angestellt ist. Er wird sagen: unsere Kirche lehrt dieses oder jenes; das sind die Beweisgründe, deren sie sich bedient. Er zieht alsdann allen praktischen Nutzen für seine Gemeinde aus Satzungen, die er selbst nicht mit voller Überzeugung unterschreiben würde, zu deren Vortrag er sich gleichwohl anheischig machen kann, weil es doch nicht ganz unmöglich ist, daß darin Wahrheit verborgen läge, auf alle Fälle aber wenigstens doch nichts der inneren Religion Widersprechendes darin angetroffen wird. Denn glaubte er das letztere darin zu finden, so würde er sein Amt mit Gewissen nicht verwalten können; er müßte es niederlegen. Der Gebrauch also, den ein angestellter Lehrer von seiner Vernunft vor seiner Gemeinde macht, ist bloß ein Privatgebrauch: weil diese immer nur eine häusliche, obwohl noch so große Versammlung ist; und in Ansehung dessen ist er als Priester nicht frei und darf es auch nicht sein, weil er einen fremden Auftrag ausrichtet. Dagegen als Gelehrter, der durch Schriften zum eigentlichen Publikum, nämlich der Welt, spricht, mithin der Geistliche im öffentlichen Gebrauche seiner Vernunft genießt einer uneingeschränkte Freiheit, sich seiner eigenen Vernunft zu bedienen und in seiner eigenen Person zu sprechen. Denn daß die Vormünder des Volks (in geistlichen Dingen) selbst wieder unmündig sein sollen, ist eine Ungereimtheit, die auf Verewigung der Ungereimtheiten hinausläuft.

Ansichten eines vorlauten Beuteltiers
Känguru: “Schulden sind ein bisschen wie Gott: wenn man nicht dran glaubt, muss man sie auch nicht fürchten!”
(#Hirngespinste)
Känguru: “Ich habe meine Führerscheinprüfung abgebrochen, weil ich rechts vor links nicht akzeptieren wollte! […] Ich mein, warum, rechts vor links? Warum nicht links vor rechts, warum?!”
MUK: “weiß nich…?!”
Känguru: “Das hat mein Fahrlehrer auch gesagt, das konnt ich so nicht akzeptieren. Da bin ich trotzdem zuerst gefahren!”
(#Links Vor Rechts)
Känguru: “Glaubst du nicht mehr an Gott und Jesus und so?”
MUK: “Neee. Jesus ist für mich gestorben.”
(#Theodizee)
MUK: “kognitive kompetenzen haben extraordinäre relevanz für die dialektik”
Känguru: “ersetz doch die fachbegriffe einfach in verständliche sprache”
MUK: “mhm das ist schwer…denken ist wichtig?!”
(#Die Essenz Des Hegel’schen Gesamtwerkes)
Känguru: “wie soll es mir schon gehen? mir scheint die sonne aus dem arsch!”
MUK: “etwas besonderes a day keeps the blues away”
Känguru: “ey meerschweinchen! können sie bitte dem kleinen dicken mann sagen dass es mir leid tut dass ich ihn einen hamster genannt hab!” (#Wenn Zwei Sich Streiten, Sitzt Der Dritte In Der Mitte)
Some say the world will end in fire,
Some say in ice.
From what I’ve tasted of desire
I hold with those who favor fire.
But if it had to perish twice,
I think I know enough of hate
To say that for destruction ice
Is also great
And would suffice.
February 2013
13 posts
Und heute bin ich aufgewacht,
Augen aufgemacht,
Sonnenstrahlen im Gesicht,
Halte die Welt an und bin auf und davon
Auf und davon
Auf und davon
02.02 Uhr: Michael Haneke hat den roten Teppich betreten. Einen Oscar sehe er nicht als “Krönung”. Aber es sei wichtig, dass “man Preise kriege”. “Der Oscar ist der wichtigste Preis für die Zuschauerzahlen.” Die Palme würden nur “die Cinophilen kennen”, “den Oscar kennt jeder Bauer in Afghanistan”.
- Warum sich die bürgerliche Gesellschaft unheimlich wird. Der Regisseur Michael Haneke im Gespräch über unser schlechtes Gewissen, seinen neuen Film »Caché« und seine Pariser »Don Giovanni«-Inszenierung
- ZEIT: Herr Haneke, In Ihrem Film Caché macht sich ein Unbehagen breit, ein Unbehagen in der bürgerlichen Kultur. Woher kommt es?
- Haneke: Das Unbehagen kommt aus einer Welterfahrung. Wir haben schließlich allen Grund, uns unbehaglich zu fühlen. Deshalb handelt mein Film ja auch von unserem schlechten Gewissen. Der eine nimmt Schlaftabletten, so wie Daniel Auteuils Filmfigur, der Nächste säuft sich nieder, der Dritte arbeitet wie gestört, so wie ich. Und der Vierte spendet für karitative Zwecke. Das ist halt unsere Form, unser schlechtes Gewissen zu beruhigen. Der Schlüsselsatz des Films lautet: »Was tut man nicht alles, um nichts zu verlieren« – dieser Satz ist unser täglicher Begleiter. Ich bin ein liberal denkender Mensch, aber wenn zu mir jemand kommt und fragt, ich hätte so ein hübsches Haus, ob ich nicht eine schwarze Familie bei mir einquartieren möchte, der gehe es so schlecht – dann hört meine Toleranz schnell auf. Das weiß ich auch. Dann fühlt man sich nicht sehr wohl. Es kann nicht jeder Albert Schweitzer werden.
- ZEIT: In Caché gerät die Welt eines französischen Literaturpapsts und Fernsehstars aus den Fugen. Als Kind hatte er aus Eifersucht den algerischen Ziehsohn der Familie denunziert, der ins Waisenhaus abgeschoben wurde. Diese Vergangenheit kehrt nun zurück. Könnte man sagen, dass Ihr Film etwas Prophetisches hat? Dass er letztlich die Unruhen in den französischen Vorstädten vorhergesehen hat?
- Haneke: Es ist ja nichts Neues, da musste man kein Prophet sein. Dieses Problem haben wir seit langem in Frankreich. Die Banlieues sind ein Erbe des Kolonialismus. Die Autos haben auch schon vorher gebrannt, und die werden auch weiter brennen. Durch eine Dokumentation auf Arte wurde ich auf das Massaker gestoßen, das die Pariser Polizei am 17. Oktober 1961 an Algeriern verübt hat. Darüber hat seit 40 Jahren in Frankreich niemand geschrieben, obwohl es dort eine relativ liberale Presse gibt. Dann habe ich mich darüber informiert und war völlig fassungslos. Ich wollte keinen Film über den Algerien-Krieg und das Algerien-Problem machen, eigentlich mehr über das Vertuschen eines Faktums. Da werden 200 Leute umgebracht und in die Seine geschmissen und schwimmen über Wochen den Fluss hinunter und kein Mensch redet davon – 40 Jahre lang! Das war eigentlich der Auslöser. Das hat auch gut gepasst zum Alter von Daniel Auteuil. Und ich wollte einen Film machen über jemanden, der mit einer Sache konfrontiert wird, die er als Kind begangen hat. Denn Kinder gelten ja immer als unschuldig und nicht verantwortlich.
- ZEIT: Der Kern von Caché ist die Wiederkehr des Verdrängten…
- Haneke: Ich sage immer: Was unter den Teppich gekehrt wird, wird den Teppich irgendwann in Bewegung setzen. Wir leben alle und permanent mit Schuldgefühlen. Man kann ja gar nicht anders. Das ist eine condition humaine. Man wird immer, willentlich oder unwillentlich, schuldig am anderen. Schuld ist dort, wo Leid entsteht. Wir können nicht schuldfrei leben, als Teil einer Gemeinschaft, eines Systems wird man zwangsläufig schuldig. Die Frage ist nur, wie wir damit umgehen. Meistens drücken wir uns.
- ZEIT: In Ihrem Film können sich Juliette Binoche und Daniel Auteuil nicht mehr drücken. Sie werden von anonymen Videobändern in Angst und Schrecken versetzt. Darauf sind zunächst nur Alltagsaufzeichnungen zu sehen. Wer ist der Absender?
- Haneke: Das weiß ich nicht.
- ZEIT: Von den verdächtigen Algeriern kommen sie jedenfalls nicht …
- Haneke: Das weiß ich nicht.
- ZEIT: Sind sie gewissermaßen von der Gerechtigkeit selbst geschickt worden, sozusagen von einer imaginären Instanz?
- Haneke: Ist mir auch recht.
- ZEIT: Vielleicht hat sie das schlechte Gewissen zugestellt?
- Haneke: Kann sein.
- ZEIT: Von wem kommen sie dann?
- Haneke: Es gibt alle Erklärungen, und ich hoffe, dass alle funktionieren. Was ändert das am Problem, das da eigentlich verhandelt wird? Nichts. War’s der liebe Gott? Es ist alles drin.
- ZEIT: Derzeit scheint allerdings eine neue Generation aufzuwachsen, für die Ihr Satz »Wir haben alle ein schlechtes Gewissen« nicht gilt. Eine Generation, die einfach im Einklang mit der Welt lebt, so wie sie ist.
- Haneke: Ich halte das für eine Maske, hinter der die pure Angst steckt. Ich höre oft den Satz: Herr Haneke, was sind Sie für ein Pessimist. Muss man denn so etwas erzählen? Mir wird immer vorgeworfen, ich würde mit der Moralkeule hantieren. Moralist ist ja inzwischen ein Schimpfwort geworden. Wenn sich jemand Gedanken über etwas macht, dann ist er irgendwie out. Das wird in den Medien ständig behauptet. Wenn man dann mit den Leuten redet, dann ist es überhaupt nicht so. Von einigen Depperten abgesehen. Ich kann an einer Kritik ablesen, wie alt der Kritiker ist. Ich kann darin ablesen, ob er mit oder ohne das Fernsehen aufgewachsen ist. Ich bin ja ohne das Medium aufgewachsen. Bis nach meinem Studium habe ich kaum ferngeschaut.
- ZEIT: Es gibt doch bestimmt irgendeine triviale Fernsehserie, die auch Ihnen Spaß gemacht hat.
- Haneke: Doch, Sex and the City habe ich mir angeschaut und habe sehr gelacht. Ich war auch angenehm davon überrascht, dass dies in dem superprüden Amerika überhaupt möglich ist. Und dann die Hans-Moser-Filme. Ich halte Moser für einen absolut genialen Schauspieler, egal welchen Scheißdreck er spielt. Max Reinhard hat einmal über ihn gesagt, er sei kein Schauspieler, sondern ein Wahrspieler. Das ist wahr.
- ZEIT: In Deutschland gab es im Fernsehen und in anderen Medien eine große Optimismus-Kampagne mit dem Titel Du bist Deutschland. Braut sich eine neue Verdrängungskultur zusammen?
- Haneke: Die braut sich nicht zusammen, die hängt schon massiv über uns. Davon lebt das ganze amerikanische Entertainment. Österreich ist ja nichts anderes – ich weiß nicht, wie es in Deutschland ist – als eine amerikanische Kulturprovinz. Volker Schlöndorff hat es doch in Ihrem Blatt geschrieben: »Zu meiner Zeit hat alles nach Frankreich geschaut.« Frankreich war das Land des Begehrens. Da gab es Sartre, Camus, die Nouvelle Vague und so weiter. In meiner Studentenzeit konnte man sich nach 22.00 Uhr im Fernsehen einen Film von Resnais oder Bresson anschauen. Das gibt es heute nicht mehr. In Frankreich zum Beispiel gibt’s DVDs von allen Klassikern mit Untertiteln. Wenn Sie in Österreich in einen DVD-Laden gehen, kriegen Sie nix. Es gibt keinen Markt dafür. Meine Studenten hatten gar keine Gelegenheit, sowas kennen zu lernen.
- ZEIT: Wollen Sie damit sagen, dass der Markt das kulturelle Gedächtnis auslöscht?
- Haneke: Natürlich. Das ist doch angenehm. Gedächtnis ist immer unangenehm, denn es ist immer mit Anstrengung verbunden.
- ZEIT: Spricht da der ewige Kulturpessimist?
- Haneke: Ich sage immer: Kulturpessimistisch sind doch die, die Zerstreuungsfilme machen, denn die halten die Leute für zu blöd, um sie als Partner ernst zu nehmen. Das ist Pessimismus!
- ZEIT: Sind Sie es nicht manchmal leid, immer die »böse Unke« zu sein?
- Haneke: Ich kann doch aus mir niemand anderen machen als den, der ich bin. Deshalb bin ich ja auch Autorenfilmer. Ich habe ein einziges Mal auf dem Theater eine Komödie inszeniert, einen Labiche, und das war wirklich der einzige Flop in meinem Leben. Es ist mir einfach nichts eingefallen. Man soll eben von einem Schuster nicht verlangen, dass er Hüte macht. Bin ich’s leid, die böse Unke zu spielen? Nein, im Gegenteil, inzwischen fühle ich mich als Störenfried sehr wohl. Nicht dass es immer angenehm ist. Ich fühle mich wohl, weil ich denke, dass es notwendig ist. Dass ich mich traue, in den Spiegel zu sehen, hat damit zu tun. Ich wundere mich nur darüber, dass es so wenig Leute gibt, die auch so empfinden. Das macht mich schon nachdenklich.
- ZEIT: Sie haben einmal von der »Erbsünde der Verdrängung« gesprochen. Besteht für Sie die Erbsünde nicht eher in der Zerstreuung?
- Haneke: Die Zerstreuung ist ja eine Form der Verdrängung. Zerstreuung ist der Schuhlöffel, mit dem man die verdrängten Sachen evakuieren kann, ohne dass man es merkt. Zerstreuung ist Betäubung, was man nicht verwechseln soll mit Unterhaltung. Das amerikanische Entertainment wird immer mit »Unterhaltung« übersetzt, dann spielt man Unterhaltung gegen Nichtunterhaltung aus. Das ist Blödsinn. Im strengen Sinn ist die Matthäus-Passion auch Unterhaltung. Aber keine Zerstreuung.
- ZEIT: Dann wäre unsere schöne Kultur- und Sinnindustrie also eine Zerstreuungsindustrie?
- Haneke: Das ist so. Zerstreuung ist immer eine Flucht, und sie ist auch notwendig. Wenn jemand täglich schwerst körperlich arbeitet und völlig ausgepumpt nach Hause kommt, der will sicher keinen Film von Haneke sehen. Der will etwas sehen, wo er abschalten kann. Deshalb ist das Fernsehprogramm ja so, dass man es nicht abschalten muss. Es muss so sein, dass man selbst dabei abschalten kann. Deswegen ist eigentlich ein Kamin der bessere Fernseher.
- ZEIT: Eine Figur, die Sie mit Inbrunst verachten, ist der liberale Intellektuelle, so wie der Literaturpapst in Caché. Woher kommt Ihre Abneigung gegen diesen Typus? Hatten Sie mal einen Lehrer, der so war? Einen Rotwein trinkenden Cordhosenintellektuellen?
- Haneke: Ich rede ja auch von mir selber. Wir sind doch alle in unserem Liberalismus gefangen. Wir wissen doch um die Dinge, aber trotz des Wissens können wir ja nicht mehr machen, als es auszusprechen. Und wir als Filmemacher dürfen es halt als Film formulieren. Woher kommt heute das interessanteste Kino? Aus der Dritten Welt. Denn die haben etwas, wofür sie kämpfen. Wir beschreiben ja permanent nur den Ekel an uns selber. Das ist schon die höchste Ebene dessen, was erreichbar ist, wenn man hier lebt. Diese Form von Genauigkeit und Optimismus – blödes Wort –, die zum Beispiel ein Filmemacher wie Abbas Kiarostami hat, ist nur möglich, wenn man aus einem Land wie Iran kommt. Ich beneide ihn künstlerisch sehr um diese Position. Kiarostami kann sich Utopie leisten, wir können uns das nicht mehr leisten. Bei uns wird es sofort eine Phrase.
- ZEIT: Sie sagen immer, dass Sie keine Utopie liefern. Aber wenn man in Ihren Filmen sieht, wie Sie mit Utopie umgehen, dann scheint es so, als ob Sie der Musik als Kunstform noch am ehesten etwas zutrauen. In Der siebente Kontinent entsteht durch die Bach-Kantate Ich freu’ mich auf meinen Tod ein Moment höchster Wahrheit. Andererseits kann die Musik nichts ausrichten. Die Familie im Film bringt sich trotzdem um.
- Haneke: Sie muss ja auch nichts ausrichten. Ohne die Kunst wäre die Welt halt viel ärmer.
- ZEIT: In Ihrem Film Funny Games ist die Musik nur noch Stoff für ein Ratespiel. Ihr Traum hingegen wäre es, dass Kunst die Zerstreuung durchbricht…
- Haneke: Sie könnte es. Manchmal schon. Bei mir zum Beispiel. Für mich ist eine Welt ohne Musik unvorstellbar. In meinem Privatleben – wenn ich mir vorstellte, keine Musik mehr hören zu können, dann wäre das ein unfassbarer Verlust. Die Frage ist nur, was man der Kunst zutraut.
- ZEIT: Manchmal spricht Adorno aus Ihnen: Die Musik soll die Verhältnisse entbarbarisieren…
- Haneke: …das kann sie auch. Aber die Frage ist doch, ob sie genutzt wird. Sie ist ein Angebot zur Entbarbarisierung. Ich glaube schon, dass Musik eine Form stattgehabter Utopie ist, wenn man es so pathetisch ausdrücken will. Sie wird meistens aufgrund eines Missverständnisses rezipiert. Dass Barockmusik so einen Boom erlebt in den letzten Jahren, das hat natürlich auch damit zu tun, dass sie ein Gefühl von Behaustheit vermittelt, weil sie zu einer Zeit entstand, in der das Weltbild noch behaust war. Deshalb ist die Musik eine Droge. Gib mal die Musik, dann fühle ich mich besser. Das kann man aber der Musik nicht vorwerfen. Aber gerade die Musik ist eine der unmittelbarsten Begegnungen mit der Empfindungswelt der Vergangenheit. Wenn ich Musik von Bach oder Monteverdi höre, dann bin ich mit einer Weltstimmung konfrontiert, die mit meiner überhaupt nichts zu tun. Aber ich ziehe mir das heraus, was ich gern haben will. Es ist doch legitim, Musik so benutzen. Bei Adorno ist das natürlich krasser. Der spricht demjenigen, der die Musik nicht gleichzeitig analysieren kann, die Berechtigung ab, sie überhaupt zu hören. Das finde ich ein bisschen überheblich.
- ZEIT: Am 27. Januar hat in Paris Ihre Don Giovanni-Inszenierung Premiere. Dass Sie sich diese Mozart-Oper ausgesucht haben, ist dennoch ungewöhnlich.
- Haneke: Die habe ich mir nicht ausgesucht! Die hat sich mich ausgesucht. Für mich ist es ein Abenteuer. Ich wollte eigentlich Così fan tutte machen, aber die war nicht mehr disponibel. Don Giovanni gilt als die uninszenierbarste Oper, also mehr als scheitern kann ich nicht. Das Vergnügen will ich mir einfach geben, sechs Wochen Tag für Tag mit dieser Musik arbeiten zu können. Was dann passiert? Ein paar Leute werden verblüfft sein, ich habe nicht die Absicht, zu provozieren, denn es ist sehr leicht, das Opernpublikum zu provozieren.
- ZEIT: Wir hatten schon das Gefühl, dass es in der Oper vieles gibt, an dass Sie bruchlos anknüpfen können. Don Giovanni ist das erste Subjekt der Moderne. Er ist der Erste, der sich permanent zerstreut und ablenkt.
- Haneke: So ist es. Don Giovanni ist Lebenswut pur. Die romantische Deutung von Don Giovanni als Betäuber – die teile ich schon.
- ZEIT: Ist er für Sie jemand, der sich nicht zur Liebe entscheiden kann?
- Haneke: Nein, nein, das ist keine Frage der Entscheidung; es ist eine Frage der Angst. Es ist die Angst vor Verlust im weitesten Sinn, die Angst vor Selbstverlust. Das tiefste Gefühl ist die Angst.
- ZEIT: Beginnt – historisch gesehen – mit Mozarts Don Giovanni die »Krankheit der Gefühle«, oder wie Sie sagen: die lange Geschichte der emotionalen Vereisung?
- Haneke: Nein, wenn Sie sich Monteverdis Die Krönung der Poppea anhören – die ist noch viel eisiger. Das ist meines Wissens die einzige Oper der Operngeschichte, in der das Böse siegt. Das ist unglaublich, das gibt es danach nie wieder. Das ist wie Bertoluccis Leichen pflastern seinen Weg. Als am Schluss Klaus Kinski und seine Kumpanen alle niedermähen und dann in den Schnee davonreiten. Es gibt nur ganz wenige Werke in der Geschichte, in denen am Ende wirklich das Böse triumphiert.
- ZEIT: Don Giovannis Höllenfahrt lenkt doch auch nur von der Tatsache ab, dass das Böse siegt…
- Haneke: Ja. An der Höllenfahrt entscheidet sich die Interpretation. Da entscheidet sich, ob die Inszenierung funktioniert oder nicht. Wie inszeniert man ein Gottesgericht in einer gottlosen Welt? Aber das will ich jetzt nicht erzählen.
- ZEIT: Warum sind Sie eigentlich nicht Pianist geworden?
- Haneke: Weil die Begabung nicht gereicht hat. Mein Stiefvater war Komponist und Dirigent, und der hat das natürlich gesehen: »Es ist nett, dass du dich so begeistert, aber Pianist wirst keiner werden.« Gott sei Dank habe ich ihm das geglaubt und bin eigentlich sehr froh darüber. Denn nichts ist schlimmer, als ein untalentierter Musiker zu sein. Davon gibt es ja genügend.
- ZEIT: Wenn Sie sich entscheiden könnten, was wären Sie heute lieber: ein Regisseur auf der Höhe seines Schaffens oder ein Musiker auf der Höhe seines Schaffens?
- Haneke: Wenn ich es mir aussuchen dürfte – da oben, wo die Geschenke verteilt werden –, wäre ich schon lieber Komponist und Dirigent. Die Musik ist für mich schon die Königin der Künste.
- ZEIT: Weil wahre Schönheit unsichtbar ist?
- Haneke: Ja, sie ist unsichtbar. Durch Aussparen wird sie sichtbar, nur so geht es.
- Michael Haneke wurde mit Filmen wie »Bennys Video« und »Die Klavierspielerin« zum großen Entfremdungs- und Kulturkritiker des europäischen Kinos. Seit fast 20 Jahren erforscht der 1942 geborene Österreicher die »Vergletscherung der Gefühle« und die Kampfzonen des Alltags. Auch in seinem neuen Film »Caché« richtet er das Objektiv auf jene sozialen Schnittstellen, an denen Wohlstand und Verdrängung, Sicherheitsstreben und Schuld kaum zu unterscheiden sind. Juliette Binoche und Daniel Auteuil spielen ein Ehepaar der französischen Kulturschickeria,das von einem anonymen Beobachter mit Videoaufzeichnungen aus dem Alltagsleben bedroht wird. Nach und nach legen die Bänder eine Spur in die Vergangenheit des Ehemannes,zum Schicksal eines algerischen Einwanderers und damit zu einer Schuld, der er sich nie gestellt hat.
- Das Gespräch führten Katja Nicodemus und Thomas Assheuer
take a step back. fucking look at yourself. you are human. you are beautiful. you are so beautiful. and you can be anything. you can be everything. do not hate everyone because someone broke your heart, or because your parents split up, or your best friend betrayed you, your father hit you, the kid down the street called you fat, ugly, stupid, worthless. do not concern yourself with things you cannot control. cry when you need to, then let go when it’s time. don’t hang onto painful memories just because you’re afraid to forget. let go of things that are in the past. forget things that aren’t worth remembering. stop taking things for granted. live for something. live for yourself. fall in love. fall out of love. fall in love. fall out of love. do this over and over until you know what it really is to love someone. question things. tell people how you really feel. sleep under the stars. create. imagine. inspire. share something wonderful. meet new people. make someone’s day. follow your dreams. live your life to it’s full potential. just live, dammit. let go of all of the horrible in your life and fucking live. and one day, when you’re old, look back with no regrets.
How come no-one told me
All throughout history
The loneliest people
Were the ones who always spoke the truth
The ones who made a difference
By withstanding the indifference
I guess it’s up to me now
Should I take that risk or just smile?

// ponies are able to save lives. why?